Die Methode

WAS IST PSYCHODRAMA?

Wie soll ich Psychodrama in wenigen Worten beschreiben? Ich glaube, die nachstehende Formulierung trifft es recht gut. Psychodrama ist ein psychotherapeutisches Verfahren, ist Lebendigkeit, Spontaneität und Kreativität. Psychodrama ist wie ein mit Mohn und Sonnenblumen durchwachsenes Kornblumenfeld, mit unendlich bunten Facetten und Möglichkeiten. Das Lachen und die Freude haben im Psychodrama einen festen Platz. An der letzten Ruhestätte von Jakob Levy Moreno, dem Begründer des Psychodramas, ist die Inschrift zu lesen „Der Mann, der Freude und Lachen in die Psychiatrie brachte.“

Die wahren Abenteuer sind im Kopf
und sind sie nicht im Kopf,
dann sind sie nirgendwo.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf,
in deinem Kopf
und sind sie nicht in deinem Kopf,
dann suche sie.

Andrè Heller

Mehr über Psychodrama

Das Psychodrama ist ein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von dem Arzt, Psychotherapeuten und Philosophen Jacob Levy Moreno entwickeltes Verfahren der handelnden Darstellung (griechisch Drama bedeutet sinngemäß Handlung) des inneren Erlebens (griechisch Psyche bedeutet sinngemäß Seele). Moreno selbst bezeichnete das Psychodrama als „diejenige Methode, die die Wahrheit der Seele durch Handeln ergründet“. Im Mittelpunkt des Psychodramas stehen – genauso wie im „wirklichen“ Leben – Handlungen in Szenen.

Das Psychodrama ist als psychotherapeutisches Verfahren bekannt, jedoch sind seine Anwendungsmöglichkeiten weitaus vielfältiger – so wird in der Organisationsentwicklung, im Unterricht und in der Sozialarbeit ebenso mit psychodramatischen Methoden gearbeitet wie im therapeutischen Bereich. 

Der zentrale Begriff im Psychodrama ist die Rolle. Sie bezeichnet ein komplexes Handlungsmuster. Rollen beschreiben bestimmte Funktionszusammenhänge – den normativen Aspekt einer Rolle und den kreativen Aspekt einer Rolle (die individuelle Ausprägung der Rolle und die freie Gestaltbarkeit). Rollen sind als Handlungspotentiale anzusehen, die erst im konkreten Handeln kreativ ausgestaltet werden. Es existieren verschiedene Dimensionen von Rollen. Die physische Dimension der Rolle beinhaltet zum Beispiel biologische und somatische Qualitäten. Die psychische Dimension seelische, kognitive Eigenschaften und die Repräsentation unserer Innenwelt. Unsere sozialen Beziehungen können wir mit der soziometrischen Dimension gut sichtbar machen. Die göttliche Dimension würde ich als kuscheligen und haltgebenden Mantel beschreiben, welcher alle anderen Dimensionen schützend umschließt und uns Hoffnung schenken kann. Die göttliche Dimension kann uns die Möglichkeit eröffnen, unter Einbeziehung kosmischer und transzendentaler Betrachtungsweisen, unsere Existenz zu reflektieren und uns helfen Zuversicht in herausfordernden Lebenslagen zu schöpfen.

Ich möchte daran glauben, dass Güte Gewicht hat, dass die Liebe den Sieg über die Vorurteile davontragen muss, dass wir dem Reichtum nicht nachlaufen müssen, dass die Welt einen Sinn hat und wir vor dem Tod keine Angst zu haben brauchen.

Eric-Emmanuel Schmitt "Das Evangelium nach Pilatus"

Moreno entwickelte den Begriff der Surplus Reality aus der Erkenntnis heraus, dass in der Realität des Spiels die Einschränkungen der Alltagsrealität übergangen werden können. Es können Begegnungen mit abwesenden, verstorbenen oder auch nur phantasierten Personen und Tieren inszeniert und durchgespielt werden. Moreno nannte das einen Mehrwert an Realität.

Einschränkungen des Rollenrepertoires und der Rollenflexibilität können Blockaden auslösen. Die Begegnung mit anderen Menschen und sich selbst wird dadurch erschwert. Die psychodramatherapeutische Arbeit hat das Ziel, diese Blockaden aufzulösen, damit die Begegnung mit der Umwelt und mit sich selbst wieder gut möglich wird. Die  Beziehung zu anderen Menschen und zu sich selbst wird wieder herzlicher, versöhnlicher, liebevoller und befriedigender.